Alle Jahre wieder: Silvester

Was man an besonderen Tagen erlebt hat, vergisst man nicht so leicht. Tage beispielsweise wie Silvester. Ich erinnere mich gut daran, Silvester mit meinem jüngeren Bruder zusammen bei unserer Oma verbracht zu haben. Wir waren noch klein, so klein, dass sich mein Bruder vor der von draußen hereinschallenden Geräuschkulisse fürchtete und von Oma getröstet worden musste. Um Mitternacht lagen wir längst im Bett, allerdings vor Aufregung schlaflos. Jahre später wartete ich mit einer Schulfreundin darauf, ob der Wechsel von 1999 auf 2000 tatsächlich alle Computer zum Absturz bringen würde. Mein erstes Silvester als Studentin verbrachte ich mit Fieberschüben, Infusionen und einem See von Selbstmitleid im Krankenhaus. Auch das letzte Silvester als Studentin ist mir im Gedächtnis geblieben. Nach einem Menü stießen wir über den Dächern von Regensburg auf das Jahr an, das vor uns lag, und wünschten uns gegenseitig Kraft fürs Examen und Mut für das Unbekannte, das danach kommen sollte. Wieder einige Jahre später war ich von den ersten Wochen der zweiten Schwangerschaft so erschöpft, dass ich trotz größter Willenskraft die Augen nicht bis Mitternacht offen halten konnte.

Der gerade hinter uns liegende Jahreswechsel versprach auf eine gute Art unaufgeregt zu werden. Mit guten Freunden kochen, essen, ratschen und um 24 Uhr anstoßen – das war angedacht. Und es verlief auch nach Plan: wir genossen unsere Zeit in der Küche, brachten dann die Kleine ins Bett, und schickten etwas später auch die Große hinterher. Kurz vor Mitternacht erschien sie sehr verschlafen wieder auf der Bildfläche, denn sie wollte das Feuerwerk sehen. Die Erwachsenen stießen mit Sekt an, ich warf einen Blick nach draußen, drehte mich wieder um, hörte noch ein Stimmchen „Mir ist schlecht“ sagen, stellte mein Glas schnell ab und lief unserer Großen hinterher. Und so verbrachten sie und ich die ersten Minuten des neuen Jahres über die Kloschüssel gebeugt, sie würgend und jammernd, ich ihre Haare haltend und ihren Rücken streichelnd.

„Das geht ja schon gut los“, dachte ich Zähne knirschend. Doch je länger ich nun darüber nachdenke, umso mehr vermute ich, dass ich irgendwann, wenn die Kinder an Silvester und auch sonst längst außer Haus sind, wehmütig daran zurückdenke, wie es war, als sie noch klein waren, und dann sage: „Weißt du noch, dieses eine Silvester damals, als wir unsere Neujahrswünsche noch gar nicht richtig gesagt hatten, und sich die Große übergeben musste?“ Und dann werden wir uns erinnern und leise in uns hineinlächeln.

Feuerwerk

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Emis Texte in Trnava

Auf Einladung der „Univerzita sv. Cyrila a Metoda v Trnave“ (Trnava/ Slowakei) durfte ich am 03.11.16 in der dortigen Universitätsbibliothek eine Lesung halten. Vor praktisch „vollem Haus“ beschäftigten wir uns mit ganz unterschiedlichen Themen – unter anderem Geschichten dazu, wie mich meine Töchter auf Trab halten (nachzulesen auf diesem Blog), Auszüge aus meiner laufenden Kolumne „Boarisch bassd“ (immer freitags in der OZ) oder meinen Erlebnissen in England (nachzulesen in meinem Buch „Mein Nordengland“).

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Dass die Pointen meiner Texte immer mit Gelächter bedacht wurden, freut mich ganz besonders – zeigt es doch, dass mein Geschreibsel tatsächlich an den richtigen Stellen lustig ist, und außerdem, dass die Germanistik-StudentInnen schon sehr gut Deutsch verstehen. Dafür gebührt ihnen höchster Respekt, schließlich ist Deutsch nicht unbedingt eine einfache Sprache!

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Interessant waren auch die Gespräche, die sich mit den Mitgliedern des „Katedra germanistiky“ und den anwesenden Studierenden ergaben. Wer hätte gedacht, dass die „l“-Vokalisierung im Bairischen so weit weg von daheim auf so viel Interesse und Anklang stößt!

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Auch ich habe auf dem Kurztrip einiges über ein Land gelernt, das ich vorher noch nie besucht hatte. Ich durfte eine landestypische Spezialität probieren und die berühmte Stadtmauer von Trnava besichtigen. In Erinnerung bleiben wird mir der sehr herzliche Empfang, der mir bereitet wurde! Es war mir wirklich eine große Freude, in Trnava lesen zu dürfen! D`akujem – danke!

Eine Lesung mit Emi

Ich darf heute verkünden, dass ich auf Einladung der UCM Trnava (eine der beiden Unis in Trnava) am 03.11.2016 dort eine Lesung halten werde. Wir werden uns querbeet mit einigen meiner Texten befassen, seien es nun beispielsweise Auszüge der beliebten Kolumne „Boarisch bassd“, Eindrücke meiner Zeit in Großbritannien („Mein Nordengland“) oder Einblicke in mein Leben als Mama (nachzulesen auf diesem Blog). Bis bald – až neskôr!

 

evamitbuch

 

Wie wir unsere Eltern fast in den Wahnsinn trieben

Beflügelt aus der Glückseligkeit heraus, einen entspannten Abend plaudernd mit einer Freundin verbracht zu haben, meinte ich am nächsten Morgen, ausreichend Kräfte für einen Familienausflug in die nächste größere Stadt gesammelt zu haben – der Winterjackenkauf stand an.

Schon beim Frühstück wurde bedacht, die Kinder mit ausreichend Energie zu versorgen, damit sie sich nicht vor Schwäche der Anprobe entziehen konnten. Leider verschmähte die Große die Butterbreze, die extra von Papa beim Bäcker geholt und von Mama aufgeschnitten und bestrichen worden war, bis auf zwei kleine Bissen – kein Hunger. Die Kleine hingegen beschäftigte sich eifrig damit, Wurst- und Brotstückchen sorgfältig zu sortieren. Wurst in den kleinen Mund, Brot in hohem Bogen auf den Boden, und nach getaner Arbeit dann der gewohnte Versuch, sich unter größten Verrenkungen aus dem Hochstuhl zu befreien.

Doch noch war ich guten Mutes, denn diese morgendlichen Darbietungen sind nichts Neues. Wir nennen sie „Frühstücks-Show“. Wir verfrachteten also die beiden kleinen Damen ins Auto, und verstauten die außerdem erforderlichen Tonnen an Feuchttüchern, Windeln, Wechselkleidung, Brotzeit und dergleichen. Im Geschäft angekommen machte sich die Kleine sofort auf, alles zu erkunden. Während sie also durch die Gänge lief, der Papa ihr immer auf den Fersen, scannte ich hochkonzentriert die Winterjacken und konnte dank vorheriger gründlicher Online-Recherche meinen Favoriten vom Bügel nehmen und gleichzeitig die Große noch am Ärmel packen und zur Anprobe zwingen, BEVOR sie zum Kinderfernsehen abdampfen konnte. Gott sei Dank war die Jacke ein Volltreffer (Vorbereitung ist alles!), und die Große war in die Kinderecke entlassen. Vier Jacken später war auch die Kleine für den Winter gerüstet. Puh!

Im Rausch des Triumphes stürzten wir uns gleich noch einmal ins Getümmel; dieses Mal in ein Schuhgeschäft, denn: „Mama, meine Kindergartenhausschuhe zwicken mich immer!“ Dort gelang es mir, ihr die Hausschuhe mit dem aufgestickten Einhorn schmackhaft zu machen, bevor sie die zehn Euro teureren Sohle-blinkenden-Prinzessinnen-Hausschuh-Ungetüme überhaupt entdeckt hatte.

Vor lauter Erleichterung erlaubten wir ihr also, sich beim Fest auf dem Stadtplatz einen kostenlosen Luftballon abzuholen, der an der mitgereisten Barbie befestigt wurde, um sein Entschweben (und damit einhergehendes Geschrei) zu vermeiden. Dann ließen wir uns hinreißen, den Vorschlag der Großen, in eine Pizzeria zu gehen, auch anzunehmen.

Nach einigem Stühlerücken gelang es dem Wirt, Mama, Papa, Kind mit Barbie und Luftballon und Kind im Wagen unterzubringen. Essen und Getränke wurden bestellt, und wir besprachen den erfreulich effizient verlaufenen Einkauf. An dieser Stelle beschloss die Kleine, die (außer nächtens) fast immer pflegeleicht ist, ärgerlich, und vor allem sehr laut zu kreischen. Eilig gaben wir ihr einen für solche Fälle eingepackten Früchteriegel, den sie dann auch zufrieden und schnellstens verspeiste. Während die Pizzen serviert wurden, schluckte sie den letzten Bissen hinunter und nahm das Kreischen wieder auf. Winzige Probierstückchen der Pizza, die sie normalerweise mit Begeisterung essen würde, verweigerte sie dieses Mal. Auch die Breze warf sie ärgerlich in hohem Bogen weg – und unter unverändert lautem Kreischen. Dafür versuchte sie wieder aus dem Wagen zu klettern. Sie kam also zu mir auf die Bank, wo ich unter größten Mühen versuchte, sie festzuhalten, sie mit dem Luftballon der Schwester vom Kreischen abzulenken und nebenbei vielleicht auch noch selbst etwas zu essen. Zum Kreischen der Kleinen mischten sich nun auch noch die Mahnungen der Großen, ihren Ballon nicht kaputt zu machen, nicht steigen zu lassen, ja, am besten ihr sofort wieder auszuhändigen.

An ein gemütliches Essen war also nicht mehr zu denken, und so musste Plan B in Kraft treten. Der Papa schlang seine Pizza schnellstmöglich hinunter, um dann das kreischende Baby samt Wagen zu packen und draußen auf- und abzufahren. Mit gesunkenem Lärmpegel im Restaurant konnte ich mich wieder meiner Pizza widmen. Die Große war zwar beglückt, dass der Luftballon nun wieder in ihrer Obhut war, hatte sich aber inzwischen unbemerkt ihr Getränk komplett einverleiben können und stocherte nun in ihrer fast unberührten Pizza herum, die nicht mehr in den Magen passen wollte. Grummelnd versuchte ich das zu ignorieren und meine Pizza doch noch halbwegs in Ruhe zu essen. Da beschloss die Große, dass sie zwar keinen Hunger mehr hatte, aber immer noch Durst. Sie streckte die Hand nach meinem vollen Wasserglas aus… das daraufhin umfiel und sich komplett über meine Hose ergoss.

Zähne knirschend machten wir uns einen Putzlappen und ein hohes Trinkgeld später auf den Weg zum Parkplatz auf. Und als wir im Auto wie die Rohrspatzen über das verpatzte Essen schimpften, und einen Kontrollblick nach hinten warfen, bot sich uns folgendes Bild:  Die beiden Damen schliefen ganz ruhig und brav…

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(Foto: Mitterreiter-Dobray)

Wie alt ist eigentlich „alt“?

Die Zeit läuft so dahin. Unerbittlich, wenn man sie dringend bräuchte, zäh, wenn etwas unangenehm ist. Manchmal zerrinnt sie relativ unbemerkt. Aber, das ist nun einmal eine Tatsache, sie lässt sich nicht auf- oder anhalten, und wir werden alle älter.

Natürlich merkt man das an sich selbst. Vielleicht äußerlich, an Fältchen oder grauen Haaren. Vielleicht daran, dass sich die Umstände merklich ändern, dass man von der Studentenbude über die Dreizimmerwohnung dann zum Haus gekommen ist. Daran, dass man Kinder hat. Manchmal sind es aber auch Situationen im Alltag, in denen man merkt, dass der Zahn der Zeit an jedem, und auch an uns, nagt.

Mein Mann sprach zum Beispiel mit der Oberstufe über das Thema 9/11, und merkte ganz selbstverständlich an, dass eigentlich jeder Mensch sagen könne, wo er zu dem Zeitpunkt gerade war. Die Oberstufenschüler sahen ihn nur verständnislos an – sie waren „damals“ Babys und können sich natürlich an nichts erinnern. Wenn aber nun ein ganzes Teenagerleben zwischen jetzt und damals passt, dann ist es schon ziemlich lange her, auch wenn es sich nicht so anfühlt, stellte er einigermaßen entsetzt fest.

Mir erging es ähnlich, als ich mit unserer Großen im Schmuckgeschäft vorstellig wurde – sie wünschte sich Ohrlöcher und, damit verbunden, Ohrstecker. Zuerst hätte man ja die medizinischen Ohrstecker, die seien ja sehr schlicht, meinte ich. „Ja, früher einmal – heutzutage gibt es die auch in vielen Farben und Formen… bei Ihnen ist es ja auch schon länger her!“ antwortete die Dame, nachdem sie mich gemustert hatte. Na herzlichen Dank!

Ebenso schlimm war kürzlich ein Einkaufsbummel. Ich kann mich ja für viele Stile begeistern – ich finde Antikschmuck aus den 1920ern wunderschön, ich habe die Rocklänge der 1950er gerade für mich entdeckt, und so manche Frisur aus den 1970ern hat auch etwas. Aber beim Stöbern zwischen den Kleiderständern traf ich lauter alte Bekannte. Da fanden sich haufenweise Oberteile mit einer allenfalls dekorativen, aber ansonsten komplett nutzlosen Schnürung am Ausschnitt. Schlaghosen kommen wieder. Und der Abschuss waren die „Tatoo“-Ketten, die die Schaufensterpuppen am Hals hatten. Da traf es mich und meine Freundin wie ein Blitz: Die 90er sind wieder da! Und damit nun zum ersten Mal eine Mode-Dekade, die wir schon einmal mitgemacht haben. (Bewusst – die 80er-Mode wurde uns noch einfach angezogen, damals waren wir Kindergartenkinder.)

Ich wusste nicht recht, was ich davon halten sollte. Die Tatoo-Ketten hatten wir damals aus der „Bravo“, und weil alle sie trugen, machte man sich über den tatsächlichen ästhetischen Wert nicht viele Gedanken. Meine karierte Latzhose, die ich 1997 in der 7. Klasse trug, war saubequem. Und die bauchfreien Oberteile waren für uns Teenager kein Problem. Heute aber raunt mir das Shirt im Geschäft lockend zu „Ich bin bauchfrei!“, und ich antworte „Aber ich bin jetzt Anfang dreißig!“ und hänge es zurück zu seinen Kollegen.

Bin ich alt, wenn es ich nun eine Modedekade das zweite Mal mitmache? Alt nicht, habe ich mich inzwischen getröstet. Einfach nicht mehr gaaaaanz so jung. Aber das macht nichts. Ich bin gern so alt wie ich jetzt bin.

Uhr

Emi, äh, Wolfi schreibt

Nach vieeeel zu langer Zeit (ich entschuldige mich aufrichtig und schiebe den Zeitmangel Malerprojekten, durchbrechenden Babyzähnen, und sprießendem Unkraut in die Schuhe) gibt es heute endlich wieder Neues!

Ich darf an dieser Stelle einen Gastbeitrag präsentieren, der von meinem Studienkollegen (lang lang ists her) Wolfram, von mir genannt Wolfi, verfasst wurde. Vorhang auf:

Von Straßenlaternen oder: wie man Licht ins Dunkel bringt.

Die Straße, in der ich wohne, gehört zu den schönsten der Stadt. Die Häuser in dieser Straße sind relativ klein und alt, die Straßen sind eher eng. Doch man hat vor einigen Jahren das Pflaster erneuert und auch neue Straßenlampen im Retrolook aufgestellt, Bäume gepflanzt und Schritt für Schritt werden aus den grauen, alten und teilweise halb verfallenen Häuschen schmucke und bunte Wohn- und Geschäftshäuser. So wirkt die Straße freundlich und lebendig, auch wenn sie eine ruhige Seitenstraße ist. Als ich vor einigen Tagen abends nach Hause ging, fiel mir auf, dass etwas anders war als sonst. Ich brauchte eine Weile, bis ich merkte, dass es dunkler war als gewöhnlich. Nach ein paar Metern konnte ich auch gleich erkennen, warum. Auf dem Laternenpfahl, an dem ich gerade vorbeiging, fehlte die Lampe. Nun kommt es immer wieder mal vor, dass eine Straßenlampe ausfällt, aber dass der ganze Lampenkopf fehlt, das ist doch selten. „Hat den am Ende jemand geklaut?“ fragte ich mich. Ich ging weiter, schließlich war es noch ziemlich kalt und auch schon spät. Als ich auf die nächste Laterne zukam, wurde es langsam heller, leuchtend strahlte der Laternenkopf auf dem Lampenpfahl. Die Welt war wieder in Ordnung und so bescheunigte ich meinen Gang, auch weil ich wusste, dass ich nun nur noch wenige hundert Meter nach Hause hatte. Mit dem Licht im Rücken wurde es langsam wieder dunkel. Und es blieb dunkel, bis zu meiner Haustür, denn mit ungläubigem Blick musste ich feststellen, dass auch bei dieser Laterne wieder der gesamte Lampenkopf fehlte. Jetzt fiel mir auch auf, dass das obere Ende des Laternenpfahlt mit gelbem Klebeband umwickelt war. „Entweder waren das ordentliche Diebe oder es steckt wohl doch etwas anderes dahinter, “ dachte ich noch, bevor ich durch die Tür schlüpfte und mich eilig in meine schöne warme Wohnung verkroch. Zeit und Lust darüber nachzudenken, warum das so war, hatte ich an diesem Abend ohnehin nicht mehr.

In dieser Ncht schlief ich gut, denn anders als sonst schien nicht der Lichtstrahl der Laterne vor meinem Haus ins Schlafzimmerfenster. Das nahm ich aber gar nicht richtig wahr und bis zum nächsten Morgen hatte ich alles wieder vergessen. So machte ich mich fröhlich auf den Weg zur Uni. Dazu musste ich die Straße in die andere Richtung weitergehen. Und als ich den kopflosen Laternenmast vor meinem Haus traurig in die Luft ragen sah, erinnerte ich mich an meine Verwunderung vom letzten Abend. Auf dem Weg zur Uni stellte ich fest, dass offenbar in der gesamten Straße an jeder zweiten Lampe der Laternenkopf abmontiert und das Ende fein säuberlich mit gelbem Klebeband umwickelt worden war. Jeden Abend durfte ich also von diesem Tag an durch eine nur punktweise beleuchtete Straße nach Hause wandern, und das für etwa drei Wochen. Gestern nun die große Überraschung. Auf den kopflosen Masten saßen, wie von Geisterhand aufgesetzt, neue Lampenköpfe. Anders als die alten sind sie mit Klarglas versehen und leuchten darum besonders hell, ohne zu blenden.  Die neuen Lampen geben ihr Licht offenbar gezielt nach unten ab, weil auch die Lampe vor meinem Fenster nicht mehr den ganzen Raum ausleuchtet, so wie das früher der Fall war. Vermutlich wurden auch Energiesparlampen verwendet, sodass mehr Licht mit weniger Energie produziert wird. Insgesamt also eine gute Sache. Warum man aber erst einmal die Hälfte der Lampen abmontiert, die Leute dann drei Wochen lang durchs Halbdunkel laufen lässt, um dann viel hellere Lampen zu montieren, verstehe ich immer noch nicht. Aber vielleicht muss man ja nicht immer alles verstehen und in ein paar Monaten erinnert sich ohnehin kein Mensch mehr daran, dass für drei Wochen in dieser Straße ein paar Lampen kopflos dastanden.

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(Fotos: Wolfram Karg)

Der ganz normale Wahnsinn

Zwanzig Minuten machen manchmal den großen Unterschied. In zwanzig Minuten kann die Welt untergehen. Zumindest hier im Mama-Universum. Aufzeichnung des ganz normalen Wahnsinns…

13.05

Mein Mann ruft an. Er hat den Schultag überstanden und will nun den Heimweg antreten. Vorher fragt er noch an, wie es uns drei Damen ergangen ist. Die Große ist fröhlich und ohne Blessuren vom Kindergarten zurück, die Kleine hat am Vormittag ein bisschen geschlafen, und ich konnte somit zumindest ein bisschen ungestört im Haus werkeln. Waschmaschine und Spülmaschine laufen, das Mittagessen geht der Vollendung entgegen. Alles wunderbar, versichere ich ihm. Beruhigt fährt er los.

 

13.06

Das Baby fängt völlig unvermittelt an, wie am Spieß zu schreien. Die Große geht der Sache nach: „Maaaamaaaa, du musst sie wickeln!“

 

13.07

Das Mittagessen muss warten, alles wird ausgeschaltet. Kein Wunder, dass die Kleine brüllt: dank eines „Unfalls“ ist das Geschäft nicht nur in der Windel, sondern auch noch großzügig am Rücken verteilt. Selbstverständlich auch am Body und an der Strumpfhose und weiß Gott wo noch. Plan B tritt in Kraft: Das Baby muss SOFORT gebadet werden.

 

13.11

Die Große wird ins Kinderzimmer abkommandiert und muss Wechselkleidung und ein Handtuch holen, während ich die Babybadewanne vorbereite. Das Baby, vorläufig mit Feuchttüchern gesäubert, gluckst wieder fröhlich.

 

13.15

Alles ist bereit, das Baby kommt in die Badewanne. Leider hasst sie das Badewasser und brüllt wieder aus Leibeskräften. Der Versuch der Großen, sie mit einem Badespielzeug abzulenken, endet nur darin, dass ich auch komplett nass bin. Die Große trabt vorsichtshalber schnell wieder davon.

 

13.21

Das Expressbaden ist erledigt, die Kleine ist trocken, frisch angezogen und froh, dem Wasser entronnen zu sein. Sie fängt sofort an, ganz selig zu spielen. Die Große, der der „Mittagessenhunger“ wieder eingefallen ist, hat einstweilen eine Scheibe „Krickskracks“ (= Knäckebrot) geholt, und es geschafft, etwa die Hälfte davon zu essen. Der Rest liegt als Bröselspur auf dem Tisch, dem Stuhl und dem Boden. Na prima.

 

13.23

Die Brösel sind beseitigt, beide Kinder sitzen am Tisch, nun kann auch die Herdplatte wieder eingeschaltet werden. Lunch is on its way.

 

13.25

Der Papa, dem ja telefonisch gerade noch versichert wurde, dass alles in bester Ordnung ist, betritt das Haus. Die Kinder, in bester Laune, freuen sich ihn zu sehen. Er begrüßt auch mich, mustert mich von oben bis unten und fragt: „Warum bist du eigentlich total nass??“

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F.R.A.G.    N.I.C.H.T.   ! ! ! ! !

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KricksKracks