Emi, äh, Wolfi schreibt

Nach vieeeel zu langer Zeit (ich entschuldige mich aufrichtig und schiebe den Zeitmangel Malerprojekten, durchbrechenden Babyzähnen, und sprießendem Unkraut in die Schuhe) gibt es heute endlich wieder Neues!

Ich darf an dieser Stelle einen Gastbeitrag präsentieren, der von meinem Studienkollegen (lang lang ists her) Wolfram, von mir genannt Wolfi, verfasst wurde. Vorhang auf:

Von Straßenlaternen oder: wie man Licht ins Dunkel bringt.

Die Straße, in der ich wohne, gehört zu den schönsten der Stadt. Die Häuser in dieser Straße sind relativ klein und alt, die Straßen sind eher eng. Doch man hat vor einigen Jahren das Pflaster erneuert und auch neue Straßenlampen im Retrolook aufgestellt, Bäume gepflanzt und Schritt für Schritt werden aus den grauen, alten und teilweise halb verfallenen Häuschen schmucke und bunte Wohn- und Geschäftshäuser. So wirkt die Straße freundlich und lebendig, auch wenn sie eine ruhige Seitenstraße ist. Als ich vor einigen Tagen abends nach Hause ging, fiel mir auf, dass etwas anders war als sonst. Ich brauchte eine Weile, bis ich merkte, dass es dunkler war als gewöhnlich. Nach ein paar Metern konnte ich auch gleich erkennen, warum. Auf dem Laternenpfahl, an dem ich gerade vorbeiging, fehlte die Lampe. Nun kommt es immer wieder mal vor, dass eine Straßenlampe ausfällt, aber dass der ganze Lampenkopf fehlt, das ist doch selten. „Hat den am Ende jemand geklaut?“ fragte ich mich. Ich ging weiter, schließlich war es noch ziemlich kalt und auch schon spät. Als ich auf die nächste Laterne zukam, wurde es langsam heller, leuchtend strahlte der Laternenkopf auf dem Lampenpfahl. Die Welt war wieder in Ordnung und so bescheunigte ich meinen Gang, auch weil ich wusste, dass ich nun nur noch wenige hundert Meter nach Hause hatte. Mit dem Licht im Rücken wurde es langsam wieder dunkel. Und es blieb dunkel, bis zu meiner Haustür, denn mit ungläubigem Blick musste ich feststellen, dass auch bei dieser Laterne wieder der gesamte Lampenkopf fehlte. Jetzt fiel mir auch auf, dass das obere Ende des Laternenpfahlt mit gelbem Klebeband umwickelt war. „Entweder waren das ordentliche Diebe oder es steckt wohl doch etwas anderes dahinter, “ dachte ich noch, bevor ich durch die Tür schlüpfte und mich eilig in meine schöne warme Wohnung verkroch. Zeit und Lust darüber nachzudenken, warum das so war, hatte ich an diesem Abend ohnehin nicht mehr.

In dieser Ncht schlief ich gut, denn anders als sonst schien nicht der Lichtstrahl der Laterne vor meinem Haus ins Schlafzimmerfenster. Das nahm ich aber gar nicht richtig wahr und bis zum nächsten Morgen hatte ich alles wieder vergessen. So machte ich mich fröhlich auf den Weg zur Uni. Dazu musste ich die Straße in die andere Richtung weitergehen. Und als ich den kopflosen Laternenmast vor meinem Haus traurig in die Luft ragen sah, erinnerte ich mich an meine Verwunderung vom letzten Abend. Auf dem Weg zur Uni stellte ich fest, dass offenbar in der gesamten Straße an jeder zweiten Lampe der Laternenkopf abmontiert und das Ende fein säuberlich mit gelbem Klebeband umwickelt worden war. Jeden Abend durfte ich also von diesem Tag an durch eine nur punktweise beleuchtete Straße nach Hause wandern, und das für etwa drei Wochen. Gestern nun die große Überraschung. Auf den kopflosen Masten saßen, wie von Geisterhand aufgesetzt, neue Lampenköpfe. Anders als die alten sind sie mit Klarglas versehen und leuchten darum besonders hell, ohne zu blenden.  Die neuen Lampen geben ihr Licht offenbar gezielt nach unten ab, weil auch die Lampe vor meinem Fenster nicht mehr den ganzen Raum ausleuchtet, so wie das früher der Fall war. Vermutlich wurden auch Energiesparlampen verwendet, sodass mehr Licht mit weniger Energie produziert wird. Insgesamt also eine gute Sache. Warum man aber erst einmal die Hälfte der Lampen abmontiert, die Leute dann drei Wochen lang durchs Halbdunkel laufen lässt, um dann viel hellere Lampen zu montieren, verstehe ich immer noch nicht. Aber vielleicht muss man ja nicht immer alles verstehen und in ein paar Monaten erinnert sich ohnehin kein Mensch mehr daran, dass für drei Wochen in dieser Straße ein paar Lampen kopflos dastanden.

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(Fotos: Wolfram Karg)

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