Von der „precisión alemana“

Wie versprochen gibt es nun an dieser Stelle einen Artikel der Serie Servus aus Spanien. Es handelt sich um den zweiten Beitrag (November 2012) – die Themenübersicht gibt es unter „Kolumen“. Viel Spaß beim Lesen!

Punkten mit „rrrrrrr“

Als ich ganz am Anfang meiner Zeit in Valladolid eine brauchbare WG gefunden hatte, allerdings noch die restlichen Mitbewohner (und der größte Teil des Mobiliars) fehlten, schaute mein Vermieter Roberto zur Lagebesprechung vorbei. Wir vereinbarten, dass ich die Wohnung sauber machen solle, damit der Anlieferung der Betten und des Sofas nichts mehr im Weg stünde. Gesagt, getan! Roberto war beim nächsten Besuch schwer beeindruckt, dass ich die Bude in seinen Augen so peinlich sauber gemacht hatte. Ihm fehle, so meinte er, diese „precisión alemana“! Wie sich herausstellte, fehlte die auch dem Möbelunternehmen, das sich mit der Lieferung nicht an den vereinbarten Termin (oder Nachfolgetermin) hielt und mich dazu zwang, die ersten Nächte in Spanien auf einem behelfsmäßigen Lager auf dem Boden zu schlummern…
Mein „Deutsch-Sein“ äußerte sich auch schon des Öfteren an der Uni. Als ein Kurs um 10.15 Uhr beginnen sollte, waren ich und eine Handvoll anderer deutscher Studenten fünf Minuten früher im Saal und wunderten uns über die Leere. Sollten etwa das Kursthema oder der Dozent langweilig sein? Erst ganze zwanzig Minuten später trudelten die restlichen spanischen Studenten ein. Der Professor schimpfte sie aber nicht – schließlich war er selbst (ohne ein Wort der Entschuldigung) eine geschlagene Viertelstunde zu spät gekommen!
Natürlich falle ich hier auch durch mein Äußeres, also die blonden Haare und die blauen Augen, als „fremdländisch“ und vermutlich deutsch auf. Mordsmäßig punkten konnte ich aber als Bayer im Spanisch-Kurs, denn das im Spanischen so charakteristische „rollende R“ konnte ich natürlich problemlos reproduzieren – anders als meine Mitstreiter aus dem hohen (deutschen) Norden, die sich eher vergeblich abmühten. Als ich dann der Spanisch-Lehrerin erklärte, dass in Bayern eben viele Dinge ein bisschen anders sind als im Rest des Landes, und dass ich mich grundsätzlich meist als „bayrisch“ statt als „deutsch“ vorstelle, verstand sie mich sehr gut. Schließlich pochen hier auch die Katalanen, die Basken und die Galizier auf ihre Eigenständigkeit. Dennoch musste kürzlich bei einer Regionalwahl in Katalonien Ministerpräsident Mas, ein Befürworter der Abspaltung, eine herbe Niederlage einstecken. Politische Ergebnisse interessierten an diesem Tag allerdings niemanden, denn die Spanier waren zu sehr mit ihrer Trauer beschäftigt, dass nicht ihr Held Fernando Alonso den Formel-1 Titel gewonnen hatte, sondern sein deutscher Konkurrent Sebastian Vettel! Ich persönlich war traurig und glücklich zugleich…

Auf südländische Lebensart freute sich Simon Mitterreiter, als er in ein Flugzeug nach Madrid stieg, um sein BWL-Studium für ein Semester im spanischen Valladolid fortzusetzen. Mittlerweile hat er festgestellt, dass es viele Gemeinsamkeiten mit seiner Heimatstadt Osterhofen gibt – aber auch jede Menge Kontraste. Diese Abenteuer des Alltags – erlebt und erzählt von Simon Mitterreiter, formuliert von seiner Schwester Eva – erscheinen künftig in einer Artikelserie in der OZ.

SimonMitterreiterNahaufnahme

Mein Bruder, der sich ein Semester lang den spanischen Alltag etwas näher anschaute…

(Foto: Mitterreiter)

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s