„Literarisches“ Mongdratzal

Für alle Interessierten, die „Boarisch bassd“ nicht in der OZ oder online lesen können, gibt es heute an dieser Stelle ein kleines „Mongdratzal“. Der folgende Artikel ist in den Pfingstferien entstanden und veröffentlicht worden. Und wenn der Dialekt auch in Österreich am Rückzug ist oder nicht völlig unbedroht, so kam es mir doch so vor, als wäre es um ihn noch besser bestellt als hier bei uns… aber lesen Sie selbst!

Die besseren Bayern?

In den Ferien beschlossen wir spontan, dass uns ein kurzer „Tapetenwechsel“ nicht schaden würde und studierten die Landkarte. Österreich erschien uns sehr geeignet für einen kleinen Urlaub, bei dem die Anreise so überschaubar ist, dass sie mit Kleinkind im Auto nicht zur Tortur wird.

Außerdem ging mir bald die Möglichkeit auf, auch dort meine „Ohrwaschl“ zu spitzen und zu erfahren, wie es bei den „Nachbarn“ um das Bairische steht. Es verschlug uns nach Gmunden, das wie unsere Heimat hier zum Verbreitungsgebiet des Mittelbairischen gehört.

Was soll ich sagen – es war einfach wunderbar! Voller Wonne probierten wir Köstlichkeiten von der „Brettljause“ bis zum „Paradeisersalat“, freuten uns über Kuchenstücke mit „Schlagobers“ oder „Palatschinken“. Und beim „Erdäpfelschmarrn“ wusste ich gar nicht, über was ich mich mehr freuen sollte – über die Tatsache, dass er überhaupt auf der Karte stand, dass er zum „Neilegen“ war, oder, dass er wirklich „Erdäpfelschmarrn“ heißen durfte.

Kein einziges Mal wurde uns der Genuss durch hysterisches „lecker“-Geschrei vermiest, wie man es hierzulande fast überall hören muss.

Unser Spatzerl konnte sich problemlos mit anderen Kindern auf dem Spielplatz unterhalten, alle rutschten „obe“, „kraxelten auffe“ oder ließen sich beim Schaukeln „adaun“. Das ist auf unserem Deggendorfer Stammspielplatz anders, wo alles „hochklettert“ und sich beim Schaukeln am besten noch „einklemmt“, wo unser Kind als Dialektsprecher leider fast immer (!) ein Außenseiter ist.

Sollte ich also das dialektale Paradies gefunden haben? Einen kleinen Dämpfer bekam ich, als es Zeit zum Abschied wurde. „Baba, Emilia!“, rief eine österreichische Oma, „Tschüß!“ rief ihre Tochter. Der Siegeszug dieses Wortes, das vom Sprecher nur eine Silbe verlangt, hat sich also schon bis ins Nachbarland durchgesetzt. Allerdings schaut man dort nicht tatenlos zu. So gibt es Maßnahmen der Bildungsministerin, um das Bewusstsein für das „österreichische Deutsch“ in den Schulen zu stärken, denn es sei „im Sinne einer umfassenden Bildung, wenn sprachliche Vielfalt aufrechterhalten und den Schülern und Schülerinnen vermittelt wird“.

Davon kann man sich nur eine Scheibe abschneiden. Sind die Österreicher vielleicht doch die besseren Bayern…?

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Für Freunde des bairischen Dialekts gibt es in Österreich kulinarische UND sprachwissenschaftliche Genüsse… beim Anblick dieser Brettljause läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen, oder?
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 Noch ganz frische Palatschinken gefällig? Hmmm!!!
 
(Fotos: Mitterreiter-Dobray)
 
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